Sind junge Leute mehr im Netz zuhause?

ver12Das Internet ist zwar schon lange ein essentieller Teil unseres Alltages geworden, aber die junge Generation ist damit aufgewachsen. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Wer noch das hektische Blättern in Landkarten oder Auto-Atlanten kennt, der wird sich kaum vorstellen können, wie selbstverständlich es für junge Leute sein muss, sich die schnellste Route von A nach B von Google Maps anzeigen zu lassen. Wer noch Tage auf einen langersehnten Brief gewartet hat, wird kaum verstehen können, für wie normal es Jugendlichen heute vorkommen mag, binnen Sekunden Nachrichten über WhatsApp oder Facebook auszutauschen.

Gewöhnung an das Internet

Das führt natürlich dazu, dass viele ältere Menschen diese Zwanglosigkeit im Umgang mit der Technik für befremdlich halten. Es scheint ihnen, als wüssten die technik-affinen jungen Menschen gar nicht zu würdigen, was ihnen da an Vorteilen geboten wird. Schließlich kennen sie es nicht anders. Aber bedeutet es wirklich, dass zwischenmenschliche und soziale Interaktion an Tiefe verliert und beliebiger wird, nur weil sich das Medium verändert hat? Genauso könnte man sich vorstellen, wie sich mittelalterliche Mönche darüber beschweren, dass die wahre Essenz eines Buches gar nicht zur Geltung kommen würde, wenn es nicht per Hand geschrieben, sondern in einer modernen Druckerei gedruckt worden ist.

Nachteile für die älteren Generationen

ver13Bedeutet das nun aber, dass ältere Semester automatisch vom Internet weniger profitieren? Ganz und gar nicht! Es erfordert nur etwas mehr Aufmerksamkeit und Motivation. Der spielerische Umgang mit den modernen Kommunikationswegen wurde den Jüngeren ja nicht in die Wiege gelegt, sondern sie haben ihn sich – eben spielerisch – angeeignet. Was Ältere mühsam lernen müssen, konnten sich Junge einfach selbst beibringen. Nur halt nicht von heute auf morgen (wie es die Älteren gerne hätten), sondern über einen längeren Zeitraum von Trial and Error. Diese Zeit des Versuchens und Probierens wollen viele ältere Menschen aber nicht mehr investieren. Und so kommt ihnen die Computerindustrie auch mehr und mehr entgegen.

Durch den Einsatz von

  • intuitiven Benutzeroberflächen
  • „plug and play“-Technologie
  • selbsterklärenden Programmen
  • vereinfachte Menü-Strukturen
  • Fokus auf Bedienungsfreundlichkeit

können Menschen, die an sich kein Verständnis für die im Hintergrund ablaufenden Programme haben, moderne Technik nutzen, ohne sich vorher detailliertes Spezialwissen angeeignet zu haben.

Technikverständnis

Das hat allerdings dazu geführt, dass durch die hinter simplifizierten Benutzeroberflächen verborgenen Programmstrukturen das Verständnis für das Wirken von Computerprogrammen sowohl bei den Älteren als auch bei den Jüngeren nachlässt. Die Generation, die sich ihr Computerverständnis noch selbst erarbeiten musste, versteht vielleicht noch eher, warum die Leistung eines Gerätes einknickt, wenn 30 Programme gleichzeitig offen sind. Ältere haben sich darüber vielleicht nie Gedanken gemacht, während die Jüngeren mit immer leistungsstärkeren Prozessoren gar nicht mehr vor solche Probleme gestellt werden.

Man kann nur rätseln, wie sich die Symbiose von uns Menschen und der modernen Computertechnologie in der Zukunft gestalten wird. Klar ist nur, dass jede neue Generation es einfacher haben wird, neue Entwicklungen immer selbstverständlicher zu nutzen, da sie schon von Kindesbeinen an damit aufwachsen. Klar ist aber auch, dass gewisse Fertigkeiten und Objekte (z.B. Schönschrift oder Briefe) früher oder später ganz aus unserem Leben verschwinden werden.

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